Fußball mit Bergschuhen und Trikots aus Fahnen

Die Anfänge der SpVgg Höhenkirchen

Höhenkirchen - Es waren schwere Zeiten, damals im Spätsommer 1945. Die Folgen des Krieges waren überall zu spüren, viele Menschen kämpften ums nackte Überleben. Doch es mangelte nicht an Zuversicht. Nur so ist es zu erklären, dass wenige Monate nach Kriegsende 32 sportbegeisterte Männer auf die Idee kamen, einen Verein zu gründen. Sie holten von der Militärregierung die Genehmigung ein, nannten sich Spielvereinigung Höhenkirchen, und schon bald wurde im Ort wieder Fußball gespielt.

Von den Gründungsmitgliedern leben heute noch Josef Ach, Fritz Bußjäger, Rudolf Glas und Georg Moser. Sie erinnern sich gut an die Freude am Spiel, bei dem Siege nicht so wichtig waren, dafür das Gefühl des Zusammenhalts. "Wir waren jung, das war doch die einzige Möglichkeit, um mit anderen zusammenzukommen", sagt Josef Ach. Gespielt wurde in Trikots, die aus Wehrmachts- und Hitlerfahnen genäht wurden, die Fußballschuhe waren Halb-, Haferl oder gar Bergschuhe mit Lederklötzen an de Sohle. "Es gab ja nichts", betont Georg Moser, dem es als 19-Jährigen "wurscht" war, auf welcher Position er spielen sollte. Hauptsache, es wurde überhaupt gespielt. "Ich hatte so eine unbändige Kraft", sagt der heute 79-Jährige, der damals auch gern geboxt hätte, "aber wir hatten ja nur den Fußball."

Die damaligen Bedingungen - "das glauben uns die Jungen heute nicht mehr". 25 Männer brauchte es für die Vereinsgründung, "die hatten wir schnell zusammen", erzählt Fritz Bußjäger. Er wurde zur Seele des Vereins, war viele Jahre lang Abteilungsleiter und zweiter Vorsitzender. Ob der "Fritzi", der schon in München erfolgreich gekickt hatte, denn nicht einen Fußballverein gründen wolle, habe der damalige Bürgermeisterin Sebastian Kössler seinen Vater gefragt. "Na, dann haben wir einen gegründet", sagt der 92-Jährige.

Schweinsbraten hatte Vorrang vor dem Hüten des Tors

Eine Anekdote, die der Vereinsvorsitzende Hans Steindl erzählt, spiegelt die damalige Situation wider: Im November 1945 fand ein Spiel gegen eine deutsche Kriegsgefangenen-Elf aus dem Lager Wächterhof statt. Da die Gefangenen nur zu einer bestimmten Zeit das Lager verlassen durften, wurde das Spiel auf 11 Uhr angesetzt. Als die Kirchturmuhr die Mittagszeit verkündete - und der Mittelstürmer der Gefangenen-Elf gerade das 0:7 anbrachte - war der Höhenkirchner Torwart Georg Orthofer spurlos verschwunden. Am Ende des Spiels, das 1:12 verloren wurde, lieferte der Torwart ein für damalige Zeiten verständliches Argument: "Bei uns dahoam hots heut nach langer Zeit wieda amoi ein Schweinsbron gehm und wias Zwölfe glitten hot, is ma eigfoin, dass ma mein Anteil meine Brüder a no zsammahaun kuntn, und na bin i natürlich raus aus dem Kasten und nach Hause marschiert."

Bernadette Heimann / mm vom 26.09.2005